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Aus den Akten (8)


Hier nun weitere Vernehmungsprotokolle zum Thema Zerstörung der Synagoge in Langen. Wir beginnen mit Martin Kolb:

Ortspolizei-Verwaltung Langen, Vernehmung. Langen, den 10.Sept.1946

Auf Vorladung erscheint der Ofenwärter Martin Kolb, geb. am 31.1.04 in Langen, verheiratet, wohnhaft Langen, Behelfsheim 12 im Linden. Mit dem Gegenstand seiner Vernehmung bekannt gemacht und zur Wahrheit ermahnt, erklärt zur Sache folgendes:

Am Tage des Synagogenbrandes hatte ich meinen freien Tag und verbrachte denselben in meiner Wohnung (ich wohnte zu der Zeit in der Dieburgerstrasse, schräg gegenüber der Synagoge). Meine Frau machte mich auf Geräusche, die aus der Richtung der Synagoge kamen aufmerksam und fragte, Martin was ist da los. Ich ging daraufhin zur Synagoge und als ich dieselbe betrat, sah ich verschiedene Bekannte, wie sie mit Äxte, Beile usw. die Inneneinrichtung kaputtschlugen. Ich fragte den ersten besten, der mir in den Weg kam, was ist hier los und was wird hier gespielt. Darauf entgegnete mir derselbe, frage nicht so dumm, sondern nehme eine Axt und haue mit drauf. Darauf habe ich das erste Beil, das ich fand, in die Hand genommen und mit zugeschlagen.

Der Name des Mannes der mir die Antwort gab, ist mir heute entfallen. Von den Leuten, die bei meinem Betreten der Synagoge mit dem Zerstören der Inneneinrichtung beschäftigt waren, kann ich mit Bestimmtheit benennen:

Ludwig Schwinn, Heinrich Dröll, Wilhelm Dietzel, (F.G.), Wilhelm Görich, Adolf Eichhorn, Wilhelm Daum, Ortsgruppenleiter Wilhelm Barth, Peter Sehring.

Als ich in der linken hinteren Ecke mit dem Zerstören von Bänken und Stühlen beschäftigt war, wurde aus der rechten vorderen Ecke plötzlich der Ruf laut, die Synagoge brennt. Darauf habe ich alles liegengelassen, bin in meine Wohnung gegangen, habe mich dort umgezogen und bin mit dem Fahrad zum Spritzenhaus gefahren, da ich Mitglied der freiwilligen Feuerwehr war.

Über die Brandlegung kann ich keine bestimmten Angaben machen. Ich verdächtige sehr stark den Ludwig Schwinn, den Ortgruppenleiter Wilhelm Barth, den Adolf Eichhorn und den Wilhelm Dietzel. Eine bestimmte Begründung meines Verdachtes kann ich nicht geben, sondern es ist von mir reine Gefühlssache, da diese vier Leute als fanatische Judenhasser bekannt waren und am Abend vor dem Brande nach einer Übertragung der Führerrede über den Mord des Botschafters von Rath in Paris, von diesen die Bemerkung gemacht wurde: "Jetzt gibt es nur noch eins, alles anstecken und die Juden rausschmeissen."

Dieses ist die reine Wahrheit, weitere Angaben kann ich zur Zeit nicht machen.

Auch Martin Kolb wurde später zu 9 Monaten Gefängnis verurteilt.

Es gibt auch noch einen Georg Kolb. Leider ist bei der Abschrift seines Vernehmungsprotokolls die Jahreszahl nicht erkennbar:

Schutzpolizei Langen -Vernehmung.- Langen, den 31.7.(..)

Auf Vorladung erscheint der Hausmeister a.D. Georg Kolb, geb. am 6.2.09 in Langen, verheiratet, wohnhaft in Langen, Frankfurterstrasse 19. Mit dem Gegenstand seiner Vernehmnung bekanntgemacht und zur Wahrheit ermahnt, erklärt zur Sache folgendes:

Am Tage des Synagogenbrandes im Jahr 1938 musste ich dienstlich in meiner Eigenschaft als Hausmeister nach Egelsbach. Als ich von meiner Dienstfahrt zurückkam, und meine Wohnung betrat, erklärte mir meine Frau, dass schon zweimal jemand dagewesen sein und nach mir gefragt hätte. Zuletzt wurde die Weisung des Ortsgruppenleiters Barth zurückgelassen, ich sollte nach Rückkehr umgehend ihn auf seinem Dienstzimmer aufsuchen. Ich fuhr sofort zum Rathaus und meldete mich bei dem Ortsgruppenleiter B., der in seinem Dienstzimmer sass. Die genaue Uhrzeit des Betretens des Dienstzimmers kann ich heute mit Bestimmtheit nicht mehr angeben. Meiner Meinung nach wird es kurz vor 10.00 Uhr gewesen sein. Ich hatte bei Betreten des Zimmers den Eindruck, dass eine längere Sitzung vorher in demselben gewesen sein muss, da mehrere Zigaretten(reste) im Aschenbecher lagen und Stühle um den Tisch standen. Anwesend in dem Zimmer waren Ortsgruppenleiter B., Ludwig Schwinn und ein Feuerwehrmann, dessen Name mir z.Z. entfallen ist. Alle sind mir seit Jahren bekannt. B. empfing mich mit den Worten: Du kommst aber spät, überall brennen die Synagogen und hier ist nichts los. Geh sofort zum Karl Vetter in die Dieburgerstrasse (der weiss schon Bescheid) und hole einen Kanister Benzin. Gehe von hinten in die Synagoge und schütte das Benzin aus, das Zeug wird schon brennen. Ich entgegnete ihm, die Sache liegt mir nicht, hast du nicht einen anderen für diese Aufgabe. Er entgegnete wörtlich, nun haue aber ab, alle anderen sind in dieser Aktion schon unterwegs. Daraufhin fuhr ich mit meinem Rad in die Dieburgerstrasse und da sah ich schon von Weitem Rauchschwaden aus der Synagoge aufsteigen. Ich fuhr weiter zur Synagoge und sah, dass dort Hitlerjungen mit den Talaren herumsprangen. Betreten habe ich die Synagoge nicht. Unter den Hitlerjungen erkannte ich mit Bestimmtheit den (H.D.). Kurze Zeit später erschien die Feuerwehr und ich fuhr mit meinem Fahrad zum Rathaus zurück und meldete dem Ortsgruppenleiter B. persönlich, dass die Synagoge ja schon brennen würde. Er entgegnete darauf, na dann ist es ja gut.

Ich bin zu der Zeit des Synagogenbrandes Zellenleiter in der NSDAP gewesen, habe mich aber aktiv an der Brandlegung bezw. Zerstörung der Synagoge nicht beteiligt. Ich bin bereit, diese gemachten Aussagen jederzeit bei Gericht unter Eid zu nehmen. Dieses ist die reine Wahrheit, weitere Angaben kann ich nicht machen.

Friedrich Görich, auch hier ist die Jahreszahl unklar:
Ortspolizei-Verwaltung Langen -Vernehmung- Langen, den 29.8.(..)

Auf Vorladung erscheint der K.f.Z. Handwerkermeister Friedrich Ludwig Görich, geb. am 29.(.).03 in Langen, verheiratet, wohnhaft in Langen, Rheinstrasse 4. Mit dem Gegenstand seiner Vernehmung bekannt gemacht und zur Wahrheit ermahnt, erklärt zur Sache folgendes:

Am Brandtage der Synagoge probierte ich einen Kraftwagen aus und als ich mit demselben zur Werkstatt in die Rheinstrasse zurückkam, strömte eine Menschenmenge die Dieburgerstrasse herauf und es hiess allgemein, die Synagoge brennt. Ich fuhr mit dem Wagen sofort zum Brandort und traf dort meine Feuerwehr, die bereits sämtliche Schläuche angelegt hatten, an. Mit den Löscharbeiten hatten sie noch nicht begonnen, da der Ludwig Schwinn der Feuerwehr verboten hatte, den Brand zu löschen. Ich ordnete sofort die Aufnahme der Löscharbeiten an, worauf Ludwig Schwinn mir entgegnete: Hier wird nicht gelöscht. Ich entgegnete ihm darauf, ich sei Brandmeister und das wäre meine Aufgabe und nicht Sache der Partei. Peter Sehring und ich ergriffen ein Strahlrohr. Meine Feuerwehrleute hatten inzwischen das Wasser aufgedreht und wir beide hielten das herausströmende Wasser auf Ludwig Schwinn, der darauf das Feld räumte.

Die Angaben des Peter Sehring vom 20.8.46 wurden mir vorgelesen. Beim Benennen meiner Person muss sich Sehring irren, da nicht ich sondern soviel ich weiss, der Jakob Seip an dem Tage des Brandes den Feuerwehrwagen gefahren hat.

Die Vernehmungsniederschrift des Wilhelm Barth vom (..).(..).46 wurde mir auszugsweise bekanntgegeben. Die Angaben entsprechen nicht der Wahrheit. Ich kann heute nicht mehr mit Bestimmtheit angeben, ob ich den B. am Brandort gesehen habe. Mit Bestimmtheit und jederzeit kann ich die eidesstattliche Erklärung abgeben, dass B. sich in gar keiner Art und Weise für die Löschung des Brandes eingesetzt hat, da wie ich bereits in meiner Vernehmung angab, die Differenzen mit Ludwig Schwinn gehabt habe.

Nach Löschung des Brandes und nach Beseitigung der Gefahr, habe ich den Befehl zum Abmarsch der Feuerwehr gegeben und ich bin auch selbst nach Hause gegangen. Dieses ist die reine Wahrheit und ich bin bereit, die gemachten Aussagen jederzeit vor Gericht unter Eid zu nehmen.

Schließlich noch Sophie Dieckler, eine der wenigen zufälligen Zeugen:
Offenbach, den 27.9.1946 - Auf Vorladung erscheint die Ehefrau Sophie Dieckler, geb, am 29.6.82 zu Langen, geschieden, wohnhaft in Langen, Friedhofstrasse 9. Mit dem Gegenstand ihrer Vernehmung bekannt gemacht und zur Wahrheit ermahnt, erklärt zur Sache folgendes:

Ende Oktober oder Anfang November arbeitete ich auf meinem Felde, etwa 60 bis 80m von der Synagoge entfernt. In den Morgenstunden (ab 8.00 Uhr) sah ich städtische und Gemeindearbeiter von aussen in der Synagoge arbeiten. Ich erkannte mit Bestimmtheit die Herren Heyden und Bär, die den Arbeitern Anweisungen gaben. Etwa 2 Stunden später hörte ich dumpfe Schläge aus der Synagoge schallen, ich sah des Öfteren hin und sah, wenn die Tür aufging, Bänke, Tische, Stühle und dem Pfarrer sein Gewand auf einem Haufen lagern. Von den Personen, die in die Synagoge hinein und heraus gingen, erkannte ich mit Bestimmtheit, den Eichhorn, Görich und Döring Karl, der von aussen an der Ampel hing. Plötzlich hörte ich eine laute Stimme, die anordnete, dass alles von und aus der Synagoge zurücktreten sollte. Ich sah einen Drückkarren beladen mit Handwerkszeug und eisernen Gegenständen wegdrücken. Der Wagen wurde weggedrückt durch Gaswerksarbeiter und städtische Arbeiter die mir von Ansehen alle bekannt waren, auf deren Namen ich mich heute aber nicht mehr besinnen kann. Einige Zeit später sah ich eine hellen Schein aus der Synagoge. Es schien zu brennen, man konnte aber nicht weiteres beobachten. Eichhorn kam nach einiger Zeit zur Synagoge und Görich kam mit einem jungen, etwas schmalen kleinen Männchen als er selbst aus der Synagoge und sagte zu Eichhorn: Es geht nicht an, das Zeug brennt ja nicht. Darauf erwiederte Eichhorn, das habe ich mir gedacht, ich gebe euch einen Kanister mit Benzin. Der kleine Mann, der bei Görich war, holte die Kanne mit Benzin und ich sah, wie er mit derselben die Dieburgerstrasse herauf kam und Görich damit in die Synagoge ging. Eichhorn ging zurück und verschwand in die Hügelstrasse. Einige Minuten später kam Görich und sein Helfer aus der Synagoge heraus und verschwanden in Richtung Dieburgerstrasse. Ich glaubte direkt nach dem Herauskommen derselben, Rauch aus den Fenstern der Synagoge zu sehen. Plötzlich wurde auch im Ort Feueralarm gegeben und die Synagoge brannte.

Ich vermute stark, dass Görich und sein Helfer den Brand gelegt haben. Sie waren jedenfalls die Letzten, die aus der Synagoge heraus kamen und direkt nach dem Herauskommen derselben habe ich die Rauchschwaden aus dem Innern der Synagoge aufsteigen sehen. Dieses ist die reine Wahrheit, weitere Angaben kann ich nicht machen.

     
  Langen von Osten, links die Synagoge, 1930er-Jahre  
     
Langen von Osten, links die Synagoge, 1930er-Jahre


12.11.21 17:49 breiter Kristof [0 Kommentare]


Aus den Akten (7)


Als einer der Haupttäter bei der Zerstörung der Synagoge in Langen wird vielfach Ludwig Schwinn genannt, ein weiterer als besonders gewalttätig verrufener Nazi. Hier seine Aussagen von 1947:

Langen, 11.10.47 - Ludwig Schwinn, geb. 22.12.11 in Langen, wohnh. Giengen / a.d. Brenz, Steigstr. 8

Am Tage des Synagogenbrandes arbeitete ich als Angestellter auf dem Gaswerk in Langen. Am Vormittag (Uhrzeit kann ich heute nicht mehr angeben) beorderte mich der Ortsgruppenleiter Barth telefonisch aufs Rathaus. Er rief mich persönlich an, indem er sinngemäss die Worte gebrauchte: "Ludwig, ich brauche Dich in einer dringenden Sache und bringe dazu die Listen mit." (Bei den Listen handelt es sich um eine Evakuierungsgeschichte der Bevölkerung am Westwall.) Ich fuhr daraufhin, nachdem ich zuerst noch frühstückte, mit dem Fahrrad zum Rathaus. Auf der Fahrgasse, in Höhe des Geschäftes Bach, erfuhr ich durch Kinder, dass die Synagoge brennen würde. Ich fuhr trotzdem weiter zum Rathaus und traf B. am Treppenaufgang im Rathaus. Dort sagte mir B., dass die Synagoge brenne und aller Wahrscheinlichkeit nach angesteckt worden wäre. In Frankfurt und Umgebung sollten ebenfalls Synagogen brennen. Die weitere Unterhaltung zwischen uns kann ich heute nicht mehr angeben, jedenfalls wollte B. gerade zur Synagoge gehen und bat mich mitzugehen. Ich war damit einverstanden und begleitete ihn. Wie wir die Synagoge erreichten, schlugen die hellen Flammen heraus und die Feuerwehr traf die ersten Vorbereitungen zur Bekämpfung des Brandes. Ich habe mich dort um nichts gekümmert und bin nach einiger Zeit wieder mit B. zum Rathaus gegangen. Dort übertrug mir B. die Evakuierungsgeschichte der Bevölkerung am Westwall und ich verliess das Rathaus und begab mich zur Geschäftsstelle der NSDAP, wo ich bis spät in den Abend arbeitete.

Mit der Brandlegung bezw. Zerstörung der Synagoge habe ich nichts gemein. Ich vermute, dass es Sache der SA gewesen ist und vielleicht weitere Angaben der damalige Sturmführer Karl Döring, Langen, Wiesgässchen machen könnte.

Auf die eindringlichen Vorhaltungen des Vernehmenden hin bin ich nun bereit, ein volles Geständnis abzulegen:

Meine vorher gemachten Aussagen entsprechen nicht der Wahrheit. Ich habe dieselben lediglich im Interesse anderer Leute gemacht, um dieselben zu decken. Durch die Kriegsjahre und die anschliessende Internierungshaft bin ich körperlich in einem sehr schlechten Zustand. Ich leide an beiderseitiger offener Lungentuberkulose und mein Gedächtnis ist nicht mehr das alte. Vor allen Dingen kann ich mich heute nur noch sehr schlecht auf Namen und Einzelheiten besinnen. Zu der Zerstörung bezw. Brandlegung der Synagoge habe ich folgendes zu sagen: Am frühen Vormittag des Tages des Synagogenbrandes rief mich Barth telefonisch an und bat um mein sofortiges Kommen, da er für mich einen ehrenvollen Auftrag habe. Weitere Einzelheiten gab er mir am Telefon nicht. Ich fuhr sofort zu ihm, ob ins Rathaus oder seine Wohnung, kann ich heute mit Bestimmtheit nicht mehr angeben. Dort gab er mir den Auftrag, die Synagoge in Brand zu setzen. Er sagte sinngemäss etwa folgendes:

Ludwig, Du bist als alter Kämpfer von mir dazu ausersehen, die Synagoge in Brand zu setzen.

Auf Grund dieses Befehles begab ich mich zur Synagoge. Soweit ich mich entsinne ging B. mit mir. Ich habe dunkel in Erinnerung, dass ein Dritter dazukam und uns die Schlüssel brachte. Wir schlossen auf, oder ob der Dazukommende aufschloss, weiss ich nicht mehr. Ebenfalls kann ich seinen Namen nicht mehr angeben. Anschliessend betraten wir das Innere der Synagoge. Dort sahen wir uns die Geschichte an. Zwischenzeitlich wurde es in der Synagoge lebhafter. Stühle, Gebetbücher, Schränke usw. wurden umgerissen und zusammengeworfen. Die Namen der Leute sind mir heute entfallen. Falls dieselben mir bis zur Verhandlung wieder einfallen, werde ich dieselben benennen. Wie es nun zu der eingentlichen Brandlegung gekommen ist, kann ich heute nicht mehr sagen. Ich gebe zu, dass ich an den Vorbereitungen zu der Brandlegung aktiv beteiligt war, wer das Streichholz anzündete, weiss ich nicht. Mit Bestimmtheit kann ich sagen, dass ich es nicht war.

Des weiteren möchte ich noch erwähnen, dass ich mit Barth längere Zeit nach dem Brande über denselben gesprochen habe, und dass ich daher B. gesagt habe: "Ich sollte seinerzeit die Brandlegung tätigen und habe es garnicht getan."

Abschliessend möchte ich nochmals kurz zusammenfassen. Der Ortsgruppenleiter Barth hat mir den Auftrag zur Brandlegung persönlich gegeben. Auf Grund dieses Befehles habe ich die Vorbereitungen getroffen. Gesetzesrollen im Innern der Synagoge zerrissen, jedoch habe ich nicht das Streichholz angezündet. Sollten mir weitere Einzelheiten einfallen, werden ich dieselben freiwillig zu Protokoll geben. Ich habe vorstehende Aussagen freiwillig und ohne jedlichen Zwang getätigt. Dieselben wurden mir vorgelesen und ich erkenne sie als die meinigen an.
Wenige Tage später fällt Schwinn offenbar doch noch etwas ein. Er schreibt:
Zu meinen Aussagen vom 11.10.1947 habe ich noch folgendes hinzuzufügen:

Nach eingehender Überlegung ist mir in Erinnerung gekommen, dass sehr wahrscheinlich die Synagoge schon geöffnet war, als ich mit Barth dort eintraf und eine ganze Anzahl von Leuten sich schon darin befanden. Eine Gesetzrolle hing mir schon kurz nach dem Eintritt von oben entgegen. Es müssen also noch andere Personen den Auftrag gleicher Natur gehabt haben und vermutlich war es Sturmführer Karl Döring mit seinen Leuten. Ich schätze die Zahl der in der Synagoge anwesend gewesenen Personen, die sich mehr oder weniger bei der Zerstörung der Synagoge betätigten, auf 10 Mann an der Zahl.

Weitere Einzalheiten sind mir inzwischen nicht mehr eingefallen.

Offenbach, den 15.10.47 gez. Ludwig Schwinn

Auch Ludwig Schwinn wird später wegen schweren Landfriedensbruchs zu 9 Monaten Haft verurteilt.


     
  Ruinen der Synagoge 1944  
     
Ruinen der Synagoge 1944


12.11.21 11:38 breiter Kristof [0 Kommentare]


Aus den Akten (6)


Oberinspektor Umbach (nach dem Krieg dann lange Bürgermeister von Langen) saß im Rathaus an zentraler Stelle. Hier lesen wir wir, was er zur Zerstörung der Synagoge zu Protokoll gibt:

Langen, den 19. August 1947, Ortspolizeiverwaltung Langen. -Vernehmung.- Auf Vorladung erscheint der Verwaltungs-Oberinspektor Wilhelm Umbach geb. am 30.12.1900 in Langen, verheiratet, wohnhaft in Langen, Dieburgerstrasse 22. Mit dem Gegenstand seiner Vernehmung bekanntgemacht und zur Wahrheit ermahnt, erklärt zur Sache folgendes:

An dem fraglichen Tage ertönte gegen mittag die Feuersirene. Es ging sofort im Rathaus um, dass die Synagoge brenne. Ich machte keinen Hehl aus meiner Empörung ob dieser Gemeinheit, zumal ich schon am Morgen von der Zerstörung der Synagogen in den nahen Städten gehört hatte. Auch dem damaligen Bürgermeister Göckel gegenüber gab ich meiner Verurteilung dieser Schandtat Ausdruck. Ich hatte von ihm mir gegenüber den Eindruck, dass er das nicht gut hiess. Zu gewohnter Zeit nach 12,00 Uhr ging ich nach Hause. Meine Frau hatte die Läden unseres Hauses, das gegenüber der Synagoge sich befindet, geschlossen und war mit mir empört über diese Gemeinheit.

Zu den Aussagen des Georg Luley habe ich zu sagen: Das Telefon habe ich nicht bedient. Von einer Bemerkung, wie sie Barth am Telefon gemacht gaben soll, weiss ich nichts. Ich weiss auch nicht wer der Brandstifter war.

Hinsichtlich der Aussagen Göckel gegen Barth erkläre ich: Bei dem ununterbrochenen Publikumsverkehr, der sich in meinem Zimmer, in dem die Oberassistentin Roth noch tätig war, abspielte, war ich als Leiter der Hauptverwaltung ständig sehr in Anspruch genommen und habe kaum darauf geachtet, wer hier aus und einging. Ich kann mich beim besten Willen nicht erinnern, dass Ortsgruppenleiter Barth mit Bürgermeister Göckel am bezüglichen Morgen eine Besprechung hatte. Dies ist die reine Wahrheit, weitere Angaben kann ich nicht machen.

     
  Wilhelm Umbach und seine Frau  
     
Wilhelm Umbach und seine Frau


11.11.21 19:40 breiter Kristof [0 Kommentare]


Aus den Akten (5)


Hier ein weiterer Schnipsel zum Thema Synagogenbrand in Langen, ein Auszug aus der Vernehmung von Peter Sehring. Er war damals Hausmeister an der Wallschule und berüchtigt als einer der gewalttätigsten Nazis in Langen.

Abschrift. Langen, den, 29. August 1946

Auszug aus der Vernehmung des Peter Sehring, der auf Anordnung der Spruchkammer Offenbach-Land vom 23.8.46 bis zum endgültigen Entscheid der Kammer bei Rückkehr aus dem politischen Internierungslager Dachau am 11.8.46 gegen 21.00 Uhr inhaftiert wurde.

2. Frage: Was wissen Sie über die Zerstörungen und der Brandlegung der Synagoge, wer waren die Urheber, inwieweit sind Sie daran aktiv beteiligt?

Ich selbst habe mit der Zerstörung und der Brandlegung der Synagoge nichts zu tun. Am Tage des Synagogenbrandes war ich in der Ringshausschule tätig, als plötzlich die Brandsirene heulte. Als Mitglied der freiwilligen Feuerwehr Langen, lief ich bei Ertönen der Sirene zum Feuerwehrhaus. Dort traf ich Willi Görich und zwei weitere Feuerwehrleute, deren Namen mir heute entfallen sind und wir vier fuhren mit dem Feuerwehrauto los. Während der Fahrt erfuhr ich durch Görich, dass die Synagoge brennen würde. An der Brandstelle leiteten wir sofort die ersten Löschmassnahmen ohne jegliche Anweisungen eines anderen ein. Ich selbst bin mit der Spritze dem Feuer tatkräftig zu Leibe gerückt. Nachdem das Feuer ziemlich gelöscht war, bin ich wieder zu meiner Arbeitsstelle gegangen.

Über die Zerstörung der Synagoge kann ich keine näheren Angaben machen. Über die Brandlegung dagegen möchte ich folgende Erklärung abgeben: Kurz nach dem Brande der Synagoge wurde ich zum Ortsgruppenleiter Barth zum Rathaus bestellt. B. empfing mich wie folgt: "Sehring weisst Du, was heute noch gespielt wird?" Ich entgegnete ihm, dass ich von nichts wissen würde. Darauf antwortete er mir, dass heute noch als Vergeltung wegen des Mordes an dem Botschafter von Rath in Paris, eine Aktion gegen die Juden steigen würde. Alle Juden müssten heute Abend verhaftet und das Inventar derselben zerschlagen werden. Ich entgegnete ihm dass ich mit Kaputtschlagen nicht einverstanden sei und machte ihm den Gegenvorschlag, das ganze Inventar den Juden wegzunehmen und es den armen Leuten zur Verfügung zu stellen. Er antwortete mir darauf, das käme garnicht in Frage, es würde so durchgeführt werden, wie er es angeordnet hätte, da es Befehl von oben sei. Anschließend sprachen wir über den Synagogenbrand und B. erklärte mir unteranderem wörtlich: "Der Synagogenbrand heute morgen war der Auftakt für die Judenaktion gewesen. Er selbst hätte sie anstecken wollen, sei aber zu Gunsten von Ludwig Schwinn zurückgetreten, da derselbe älterer Parteigenosse sein und ihn deswegen mit dieser ehrenvollen Aufgabe beauftragt hätte. Er hätte weiter diesen ehrenvollen Auftrag dem Ludwig Schw. telefonisch durchgegeben, der die Brandlegung auch getätigt hat."

Dieses ist die reine Wahrheit und ich bin bereit, meine Angaben zu Punkt 2 jederzeit vor Gericht unter Eid auszusagen.

Nachtrag:

Abschrift. Langen, den, (..).8.1946

Nachtrag zur Vernehmung des Peter Sehring

Die Angaben des Wilhelm Görich vom 9.4.46 wurden mir vorgelesen. Ich weise die Anschuldigungen des G. auf das entschiedenste als unwahr zurück. Ich habe mit der Zerstörung und der Brandlegung der Synagoge nichts zu tun.

Zeugen, die mir bestätigen können, dass ich bis zum Ertönen der Sirene in der Ringhausschule gearbeitet habe, kann ich heute nicht mehr benennen.

Ich bezeichne die Angaben des Görich und des Barth als eine ungeheure Dreckigkeit, die mir beweist, dass sie zu feige sind, ihre Schuld einzugestehen und dieselbe auf andere abwälzen wollen. Dieses ist die reine Wahrheit, weitere Angaben kann ich nicht machen.

Gegenüberstellung

Gegenüberstellung Görich - Sehring

Am 29.8.46 gegen 11.00 Uhr wurden im hiesigen Amtsgericht der Peter Sehring dem dort einsitzenden Wilhelm Görich gegenübergestellt.

In Gegenwart des Wachtmeisters Fink und in meiner Gegenwart (Polizeikommissar Dohle) als Vernehmender wurden die Aussagen des Wilhelm Görich dem Peter Sehring nochmals vorgelesen. Auf die Frage des Vernehmenden: Görich, ist der Ihnen gegenübersitzende Mann mit dem Peter Sehring indentisch, den Sie in Ihrer Vernehmung mit den Zerstörungen der Inneneinrichtung der Synagoge bezeichnen? Görich erklärte klar und bestimmt: Es ist der Peter Sehring, den ich am Brandtage der Synagoge in derselben mit den Zerstörungen der Inneneinrichtung gesehen habe. Eine Personenverwechslung meinerseits ist nicht möglich, da ich Sehring schon seit Jahrzehnten kenne. Im weiteren verbleibe ich bei meinen Aussagen am 9.4.46.

Sehring, was erwidern Sie auf die Anschuldigung des Görich?

Die Angaben können nicht der Wahrheit entsprechen, ich kann nur immer wieder betonen, dass ich nicht früher in der Synagoge gewesen bin, als wie als Feuerwehrmann. Die ungeheuerliche Anschuldigung kann ich nur immer wieder als unwahr bezeichnen. Im weiteren verbleibe ich bei meinen gemachten Aussagen.

Auch Peter Sehring wurde später wegen dieser Vorfälle zu 9 Monaten Haft verurteilt.


     
   
     


11.11.21 14:37 breiter Kristof [0 Kommentare]


Aus den Akten (4)


Zu dem Synagogenbrand in Langen wurden auch weniger prominente Personen vernommen. Hier drei Beispiele:

Georg Luley:
Langen, den 14. August 1947, Ortspolizeiverwaltung Langen. Im Amtsgerichtsgefängnis Offenbach/Main aufgesucht den Georg Luley geb. am 10.5.91 in Langen, verheiratet, wohnhaft in Langen, Rosa Luxemburgstrasse 3. Mit dem Gegenstand seiner Vernehmung bekanntgemacht und zur Wahrheit ermahnt, erklärt zur Sache folgendes:

Am Tage des Synagogenbrandes, das genaue Datum kann ich heute nicht mehr angeben, arbeitete ich bei meiner Firma, Deutsche Gold- und Silber-Scheideanstalt, in Frankfurt/Main. Als ich nach Beendigung meiner Arbeit gegen 13,00 Uhr nach Langen kam, hörte ich schon durch Gespräche am Bahnhof, dass am heutigen Tage die Synagoge in Brand gesteckt und Zerstörungen von Judenwohnungen vorgenommen worden seien. Ich selbst habe damit nichts gemein. Ich war, wie ich bereits oben erwähnte, den ganzen Tag über auf meiner Arbeitsstelle in Frankfurt/Main.

Im Lager Hersbruck, es wird im August 1945 gewesen sein, sagte mir der frühere Bürgermeister Göckel, der dort ebenfalls inhaftiert war, bei einem Gespräch, dass ich und der Peter Sehring morgen vernommen werden sollten und wir Beiden der Brandlegung bezw. Zerstörung der Synagoge beschuldigt wären. Des weiteren sagte er, lasst Euch das nicht anhängen, Umbach hat am Telefon zugehört, wie Barth den Befehl an Ludwig Schwinn gegeben hat mit folgenden Worten: "Ludwig, Du hast die Ehre, die Synagoge anzustecken." Am anderen Tage wurde ich von der dortigen C.T.C. vernommen und habe dort dieselben Aussagen gemacht.

Des weiteren möchte ich noch folgende Aussage machen: Der Ortsgruppenleiter Barth sagte offen in der nächsten Parteimitgliederversammlung, der ich selbst beiwohnte: "Langen ist judenfrei." Dies ist die reine Wahrheit, weitere Angaben kann ich in obiger Sache nicht machen.

Philipp Trautmann (Datum vermutlich wie oben):
Im Amtsgerichtsgefängnis Offenbach/Main aufgesucht den Oberpostinspektor Philipp Trautmann geb. am 10.12.82 in Reichelsheim/Odenwald, verheiratet, wohnhaft in Langen, Odenwaldstrasse 15. Mit dem Gegenstand seiner Vernehmung bekanntgemacht und zur Wahrheit ermahnt, erklärt zur Sache folgendes:

Mit der Brandlegung bezw. Zerstörung der Synagoge habe ich nichts zu tun. An dem Tage des Synagogenbrandes hatte ich Dienst in Frankfurt/Main, Postamt 10 Frankfurt/Main-Süd. Gegen 21.00 - 22.00 Uhr kehrte ich an dem Tage nach Langen zurück. Dort hörte ich von meiner Frau über die Brandlegung der Synagoge. Angaben, wer die Brandlegung bezw. Zerstörung getätigt haben, kann ich nicht machen. Des weiteren habe ich mich dafür auch später nicht interessiert, da ich keinerlei parteilichen Dienst mehr gemacht habe.

Die Aussagen des Peter Schmidt vom 8.4.46 wurden mir vorgelesen. Die Aussagen, die meine Person betreffen, muss ich als unwahr zurückweisen. Einen Grund, warum Peter Schmidt mich beschuldigt kann ich nicht angeben. Des weiteren verbleibe ich bei meinen Aussagen, weil sie der Wahrheit entsprechen.

Als Zeugen, dass ich am Tage des Synagogenbrandes in Frankfurt/Main gearbeitet habe, benenne ich den jetzigen Behördenangestellten Pförtner, der seinerzeit am Paketannahmeschalter war und mit dem ich persönlich zwischen 19.00 und 11.00 Uhr gesprochen habe.
Nachtrag von Trautmann:
Zusatz: Laut Schreiben vom 15.8.47 möchte Trautmann seinen Aussagen vom 14.8.47 noch folgendes anfügen.

Zu dem am 14.8.47 festgelegten Schriftsatz betreffs des Synagogenbrandes in Langen bitte ich noch folgenden Satz nachzutragen:

Ausserdem bitte ich alle am Synagogenbrand beteiligten Angeklagten und den ehemaligen Ortsgruppenleiter Barth eidlich zu vernehmen, ob ich irgendwie am Synagogenbrand beteiligt gewesen bin, oder ob mich einer an der Brandstätte gesehen hat.

Rudolf Pförtner:
Polizeiverwaltung Langen. Langen, den 28.August 1957 -Vernehmung- Auf Vorladung erscheint der Verw. Angestellte Rudolf Pförtner geb. am 20.9.97 in Langen, verheiratet, wohnhaft in Langen, Rheinstrasse 22. Mit dem Gegenstand seiner Vernehmung bekanntgemacht und zur Wahrheit ermahnt, erklärt zur Sache folgendes: Die Vernehmungsniederschrift des Philipp Trautmann vom 14.8.47 wurde mir auszugsweise vorgelesen. Die Angaben, die meine Persion betreffen, entsprechen nicht der Wahrheit, da ich mich nicht entsinnen kann, je mit dem Mann gesprochen zu haben.

In Erwiderung auf die Aussage Luleys hat Heinrich Göckel später einen Nachtrag verfasst, das Datum ist nicht angegeben:

Die Aussagen des Georg Luley wurden mir auszugsweise vorgelesen. Ich möchte mich hierzu wie folgt äussern: Es entspricht nicht der Wahrheit, dass ich im Lager Hersbruck zu Georg Luley sagte, dass er und Peter Sehring morgen vernommen werden sollte, denn das Datum der einzelnen Vernehmungen konnte ich nicht wissen. In jenen Tagen traf ich im Lager Hersbruck Georg Luley und Peter Sehring. Im Laufe unserer Unterhaltung erzählten mir beide sie seien vernommen worden und der Brandlegung bezw. der Beteiligung bei der Brandlegung an der Synagoge zu Langen beschuldigt. Hierauf sagte ich zu beiden, das glaube ich nicht, lasst Euch die Sache nicht aufhängen, denn mein damaliger Oberinspektor Umbach erzählte mir, er haben ein Telefongespräch mit angehört zwischen Barth und dem auf dem Gaswerk beschäftigten Ludwig Schwinn. Das Gespräch hatte etwa folgenden Inhalt: Ludwig komme herauf, die Synagoge wird angesteckt, Du hast die Ehre mitzuwirken, teilzuhaben oder so ähnlich. Ob Schwinn der Aufforderung nachkam, weiss ich nicht. Zu bemerken ist noch, dass die Mitteilung des Telefongespräches zwischen Barth und Schwinn, einige Jahre nach der Brandlegung erfolgt ist. Auch Peter Sehring müsste sich dieser Angelegenheit erinnern können, da er mich gerade über diese Angelegenheit im Gefängnis in Offenbach befragte. Dies ist die reine Wahrheit, weitere Angaben kann ich nicht machen.

     
   
     


11.11.21 11:38 breiter Kristof [0 Kommentare]


Aus den Akten (3)


Bei "Bürgermeister" Heinrich Göckel hören sich die Vorgänge rund um die Zerstörung der Synagoge in Langen ganz anders an.

Langen, den 21. Juli 1947 -Vernehmung- Auf Vorladung erscheint der Bürgermeister a.D. Heinrich Göckel geboren a, 15.4.1883 in Dietzenbach/Kreis Offenbach, verheiratet, wohnhaft in Langen, Dieburgerstr. 2. Mit dem Gegenstand seiner Vernehmung bekannt gemacht und zur Wahrheit ermahnt, erklärt zur Sache folgendes:

Am Tage des Synagogenbrandes, das genaue Datum kann ich heute nicht mehr angeben, arbeitete ich in meinem Dienstzimmer auf der hiesigen Bürgermeisterei. Plötzlich ertönte die Brandsirene. Ich ging sofort in mein Vorzimmer, um mich nach dem Grund der Alarmierung zu erkundigen. Dort wurde mir von dem Oberinspektor Umbach (unter Vorbehalt) oder einer anwesenden Person (in meinem Vorzimmer als Bürgermeister war ständig reger Publikumsverkehr) gesagt, dass die Synagoge brennen würde. Daraufhin begab ich mich sofort an die Brandstelle. Bei meinem Eintreffen war die Feuerwehr bereits mit den Löscharbeiten beschäftigt und eine größere Menschenmenge versammelte sich dort. Instinktmäßig vermutete ich sofort eine Brandstiftung, da kurz vorher in Neu-Isenburg ebenfalls die Synagoge niederbrannte und nach Meinung der Öffentlichkeit ebenfalls dort Brandstiftung vorlag. Da die Gegenmassnahmen der Feuerwehr liefen und ich z.Zt. nichts weiter tuen konnte, ging ich die Dieburgerstr. herunter in meine Wohnung. Dort sprach ich mit meiner Ehefrau über den Brand. Ich war sehr erregt und brachte unumwunden meiner Frau gegenüber zum Ausdruck, dass solche Bubenstreiche in der Öffentlichkeit nicht verstanden und abgelehnt würden. Diesem Gespräch wohnte die Frau Kohl, die an diesem Tage als Waschfrau bei uns beschäftigt war, bei. Nachdem ich Kaffee getrunken hatte, ging ich wieder ins Rathaus. Am gleichen Tage, ob vor- oder nachmittags, habe ich mit Herrn Umbach über die Brandlegung gesprochen und dabei meinen Abscheu über diese Tat zum Ausdruck gebracht.

Des weiteren habe ich zu Hause am Mittagstisch in Gegenwart aller Bediensteten offen meinem Unwillen über diese Tat Ausdruck gegeben. Ich benenne dabei als Zeugen den damaligen Gespannführer im Betrieb meines Schwiegersohnes, Herr Hans Heinz, Langen, Bachschule oder meine Kinder oder meinen Schwiegersohn.

Als Bürgermeister habe ich seinerzeit veranlasst, dass über den Synagogenbrand eine ordnungsgemässe Brandmeldung an meine vorgesetzte Dienststelle durch den Sachbearbeiter Herrn Umbach oder durch die Polizei gefertigt und abgeschickt wurde.

Die polizeilichen Ermittlungen über die Brandlegung verliefen damals ergebnislos. Für mich stand fest und dieses war auch die öffentliche Meinung, dass es sich dabei um eine gross angelegte Aktion seitens der Partei handelte. Meiner Ansicht nach muss der damalige Ortsgruppenleiter Barth über die Vorgänge gewusst haben.

Die Aussagen des Wilhelm Heinrich Barth (...) wurden mir auszugsweise, soweit sie meine Person betreffen, im Worttext vorgelesen. Ich habe darauf folgendes zu erwidern:

Die Angaben, die meine Person betreffen, sind unwahr und vollkommen aus der Luft gegriffen. Ich bleibe bei meinen Aussagen vom 21.7.47, da sie der Wahrheit entsprechen. Ich möchte zu diesem Punkt den ehemaligen Oberinspektor Umbach als Zeugen benennen, der damals in meinem Vorzimmer sass und es unmöglich war, zu mir ins Zimmer zu kommen, ohne durch das Vorzimmer zu gehen.

Die Aussagen des Wilhelm Görich (...) wurden mir vorgelesen. Darauf habe ich folgendes zu erwidern:

Ich habe niemals über derartige Dinge mit Görich gesprochen und auch nie diesen oder einen ähnlichen Befehl oder Anweisung gegeben. Mir sind die Aussagen des Gör. vollkommen unverständlich und ich weise sie ebenfalls als unwahr zurück.

Heinrich Göckel ist Anfang 1948 gestorben, in einem Strafverfahren konnte er selbst also nicht mehr aussagen.


     
  Heinrich Göckel  
     
Heinrich Göckel


10.11.21 21:11 breiter Kristof [0 Kommentare]


Aus den Akten (2)


Noch ein Schnipsel zur Zerstörung der Synagoge in Langen, auch hier sind die Aussagen der Beschuldigten (in diesem Fall Wilhelm Barth, damals Ortsgruppenleiter der NSDAP in Langen) mit Vorsicht zu genießen.

Offenbach, den 27.9.1946 - Abschrift- Auf Vorladung erscheint der Tiefbauingeneur Wilh. Heinr. Barth geb. am 17.11.06 in Langen, Obergasse 8. Mit dem Gegenstand seiner Vernehmnung bekannt gemacht und zur Wahrheit ermahnt, erklärt zur Sache folgendes:

Am Tage des Synagogenbrandes gegen 7.30 Uhr wurde ich durch telefonischen Anruf der Kreisleitung Offenbach a/M aus dem Schlaf gerissen und von dem Kreisleiter Walter befragt, ob die Synagoge brenne. Auf meine erstaunte Frage, warum die Synagoge brennen solle, wurde Walter laut und erregt, dass ich seinen Befehl noch nicht durchgeführt hätte. Ich erklärte ihm, dass ich am Tage vorher auswärts gewesen und in der Nacht spät heimgekommen sei, keinen Befehl erhalten hätte und mithin von nichts wüsste. Walter schallt mich am Telefon eine Schlafmütze und befahl mir innerhalb einer halben Stunde auf der Kreisleitung in Offenbach zu erscheinen. Ich fuhr darauf mit meinem eigenen Wagen sofort nach Offenbach zur Kreisleitung, wo mir Walter wiederum Vorwürfte machte, wegen der nicht pünktlichen Ausführung seines gegebenen Befehls und erst als ich ihm die näheren Umstände erklärte, wurde er ruhiger. (Ich war am Tage vorher zu einer Hochzeit-Vorfeier in Frankfurt a/M geladen, und kam von derselben sehr spät zurück.) Er eröffnete mir in kurzen Zügen seinen bereits am Vortage durchgegebenen Befehl, welcher lautete:

1) die Synagoge durch Feuer restlos zu zerstören

2) die Einrichtungen der jüdischen Wohnungen zusammenzuschlagen

3) die Juden selbst können dabei so geschlagen werden, dass sie einen ewigen Denkzettel davontragen würden. Nur dürfe dabei kein Todesfall eintreten.

4) der jüdische Hausbesitz sei sofort in arischen Besitz zu überführen und dabei wären grössere Gewinne der Juden zu vermeiden.

Ich bat, mir diesen Befehl schriftlich zu geben, weil ich bei anderen Anlässen früher schon die Feststellung machen musste, dass Walter, wenn er zur Verantwortung gezogen wurde, für seine Befehle nicht grad stand. Aus bestimmten Gründen vermutete ich eine Falls. Er eröffnete mir in sehr bestimmten Ton, das seine mündlich gegebenen Befehle als Kreisleiter auszuführen seinen. Daraufhin wurde ich von ihm entlassen. Beim Verlassen der Kreisleitung machte ich mir Gedanken über diesen Befehl und dessen Durchführung. Es kamen mir Zweifel auf und um dieselben zu zerstreuen, fuhr ich in Offenbach in das Stadtzentrum um festzustellen, ob diese Befehle betreff Synagogenbrand usw. bereits durchgeführt worden seien. Vor einem jüdischen Kaufhaus war ein grosser Menschenauflauf und aus dem Innern des Kaufhauses wurden durch die Fenster der verschiedenen Stockwerke allerlei Waren und verkäufliche Gegenstände auf die Strasse geworfen. Ich musste also erkennen, das die Befehle Walters schon in Durchführung waren. Darauf trat ich die Heimfahrt an.

Ich entschloss mich, mit dem Bürgermeister Göckel, mit dem ich wegen eines grösseren Parteigerichtsverfahrens in Spannung lebte, über die Walterschen Befehle zu sprechen. Ich fuhr zunächst zum Rathaus und suchte Göckel in seinem Amtszimmer auf. Göckel erklärte mir kurz, dass er über alles unterrichtet sei und dass auch alles bereits "rollen" würde. In dieser Zeit ertönte, soweit ich mich erinnern kann, die Feuersirene. Ich verliess G. sofort und fuhr zur Synagoge, wo ich feststellen konnte, dass die Flammen bereits aus dem Dach herausschlugen und die Inneneinrichtung ausgebrannt war. Die Feuerwehr stand in der oberen Dieburgerstrasse bezw. Hügelstrasse untätig. Als Baufachmann musste ich es bedauern, dass das wertvolle Material unnütz verbrannt werden sollte. Ich sprach deshalb mit den Feuerwehrleuten, dass sie mit den Löscharbeiten sofort beginnen sollten. Es wurde mir geantwortet, das sei Sache des Bürgermeisters die Löscharbeiten zu befehlen. Ich konnte jedoch als zuständiger Baumeister der Stadt Langen durchsetzen, dass sofort mit dem Löschen begonnen wurde. Als später der Bürgermeister am Brandort erschien, machte er mir zunächst Vorwürfe, dass man nur unnötige Arbeit mit den stehengebliebenen Ruinen hätte, es sei viel richtiger gewesen alles abbrennen zu lassen. Göckel frug mich, wer nun die Abbruchskosten übernehmen würde, denn so könnte der Rest der Synagoge nicht stehen bleiben. Ich selbst machte ihn auf die erhöhte Einsturzgefahr aufmerksam und hielt Absperrungsmassnahmen für erforderlich um Unfälle zu vermeiden. Göckel sagte dann, dass die Synagoge abgebrochen werden (solle) und die Stadt Langen das Gelände und das anfallende Material übernehmen würde. Ich liess noch am selben Tage die bei der Stadt beschäftigten Bauarbeiter mit dem Abbruch beginnen. Später war ich dann in der Eigenschaft als Stadtbaumeister bei einer Kaufverhandlung mit (einem) Vertreter der israelitischen Religionsgemeinde Mainz, die im Langener Rathaus stattfand, zugegen.

Nach meiner Feststellung scheint der damalige Hausmeister der Wallschule, Peter Sehring, als der eigentliche Brandstifter in Frage zu kommen. Sehring hat es mir gegenüber allerdings nie zugegeben. Festgestellt habe ich weiter, dass am Vorabend des Synagogenbrandes, an dem ich wie bereits erwähnt, aus Langen abwesend war, Befehle von der Kreisleitung an die Ortsgruppe und von den SA- und (NSKK-) Dienststellen an die örtlichen Einheiten gegeben waren. Ausserdem (war) die Polizei informiert, gegen Demonstranten nicht einzuschreiten, was ich von Herrn Gendarmeriemeister Arzt am Tage des Synagogenbrandes erfuhr.

Ich möchte noch bemerken, dass ich für die ganze Aktion kein Verständnis aufbringen konnte, dass ich aber andererseits nicht in der (Lage) war sie zu verhindern, weil ich erkennen musste, dass diese Massnahme offensichtlich auf höchste Anweisung durchgeführt wurde. Ein (Verhindern) des Synagogenbrandes war mir schon deshalb unmöglich, weil ich in Langen erst eintraf, als die Synagoge schon brannte.

Über die bereits zerstörte Inneneinrichtung der Synagoge kann ich folgendes aussagen: Der HJ Führer Gustav Beck hatte mir einmal den Vorwurf gemacht, dass ich nicht verstünde der HJ geeignete Aufgaben zu geben. Er kam dabei auf die ihm notwendig erscheinende Zerstörung der Synagoge zu sprechen. Ich setzte ihm damals auseinander, dass derartige Aktionen unsinnig seien. Eines Tages wurde mir dann gemeldet, dass die Synagoge im Innern vollständig zerschlagen sei. Soweit ich mich erinnere, war dies nachts geschehen. Ich weiss aber noch (bestimmt), dass auch am Tage nach der erfolgten Zerstörung der Inneneinrichtung Jugendliche weiterhin sich in der Synagoge herumtrieben und dort (mit) den Zerstörungen fortfuhren. Ich habe damals veranlasst, dass die (zer-)schlagenen Türen instandgesetzt bezw. der Eingang der Synagoge (behelfs-)mässig verschlossen wurde. Dies ist durch Städtische Arbeiter erfolgt. Ich musste von dem Kreisleiter Walter zunächst heftige Vorwürfe einstecken. Er erklärte mir, dass er dies zum Anlass nehmen würde, um (mich) endgültig fertig zu machen (wörtlich gebrauchte er die Worte: ich (mache) Sie noch zur Sau). Als Walter dann nach Langen kam und die Zerstörung ansah, fing er zunächst laut zu lachen an. Dann fiel ihm aber ein, dass der Gauleiter evtl. diese Massnahmen nicht billigen würde, (...) er mich wieder erneut mit Vorwürfen bedachte, obwohl ich mit der ganzen Aktion nichts zu tun hatte, sondern im Gegenteil stets verhindert habe, dass an der Synagoge und auch an dem israelitischen Friedhof irgendwelche Zerstörungen vorgenommen werden. Ich erinnere mich (noch), dass der damalige Gauleiter Sprenger diese Zerstörungen stillschweigend duldete. Beim nächsten Appel der Ortsgruppenleiter in Offenbach lobte Walter jedenfalls dann bezeichnenderweise die in Langen (erfolgte) Zerstörung der Inneneinrichtung der Synagoge und stellte die (Tat) hierbei als Vorbild hin.

Es steht für mich einwandfrei fest, dass die Hitlerjugend von Langen die Inneneinrichtung der Synagoge, soweit es die Bänke, Schränke, Stühle usw. betrifft, zerschlagen hat. HJ Führer waren damals: Gustav Beck, ihm übergeordnet Heinrich Dietzel und soviel ich mich erinnere, als Verstreter von Gustav Beck, Schlapp, der bei der Bezirkssparkasse in Langen beschäftigt war. Es ist mir nicht bekannt, dass am Tage des Synagogenbrandes nochmals Einrichtungsgegenstände zerschlagen wurden. Ich halte dies auch für ausgeschlossen. Ferner möchte ich noch ausdrücklich erklären, dass durch mich vor dem Synagogenbrand keinerlei Abbruchsmassnahmen angeordnet wurden. Ich habe dieselben erst durchgeführt, nachdem Bürgermeister den Abbruch verfügte. Dies entspricht auch vollkommen meinem Dienstverhältnis als Stadtbaumeister, weil ohne Genehmigung des Bürgermeisters der Einsatz von städtischen Bauarbeitern an der Synagoge sonst von der Stadtkasse nicht bezahlt worden wäre. Dieses ist die reine Wahrheit, weitere Angaben kann ich nicht machen.

Barth wurde am 25.2.1948 vom Landgericht Darmstadt zu einem Jahr und drei Monaten Gefängnis verurteilt. Er bewirkte später eine Wiederaufnahme des Verfahrens, und am 24.9.1952 wurde die Strafe auf acht Monate Gefängnis reduziert.


     
  Langener Synagoge  
     
Langener Synagoge

     
  Wilhelm Barth  
     
Wilhelm Barth

[Serie]

10.11.21 16:28 breiter Kristof [0 Kommentare]


Aus den Akten


Am 10.11.1938 wurde die Synagoge in Langen zerstört. Im Nachhinein lassen sich die Vorgänge und Verantwortlichkeiten nicht mehr sicher und vollständig feststellen, zu widersprüchlich sind die Aussagen der Beteiligten nach dem Krieg. Hier trotzdem ein kleiner Schnipsel des Gesamt-Bildes aus den Akten:

Offenbach, den 27.9.1946 -Abschrift- Auf Vorladung erscheint der Oberstadtsekretär a.D. Wilhelm Görich geb. am 9.1.07 zu Langen, verheiratet, wohnhaft in Langen, Borngasse 2. Mit dem Gegenstand seiner Vernehmnung bekannt gemacht und zur Wahrheit ermahnt, erklärt zur Sache folgendes:

Am Tage des Synagogenbrandes wurde ich vormittags durch den Bürgermeister Göckel mündlich beauftragt, den SA-Befehl auszuführen und mit einem Beil auf dem schnellsten Wege in die Synagoge zu gehen. Ich ging sofort in meine Wohnung, holte ein Beil und ging damit zur Synagoge. Bei meinem Eintreffen in der Synagoge sah ich, dass schon alles durcheinander geworfen war und verschiedene Gegenstände, wie zerissene Gebetbücher usw. auf kleineren Haufen auf der Erde lagen und zertrümmerte Bänke, Türen, Tische und Stühle waren umgeworfen und alles lag durcheinander. Ich habe mir alles angesehen, angerührt oder mich aktiv an der Zerstörung beteiligt habe ich mich nicht. Bei meinem Eintreffen waren schon etwa fünf bis zehn Personen in der Synagoge mit der Zerstörung beschäftigt. Unter diesen erkannte ich mit Bestimmtheit den Peter Sehring, Wallstr. 29 und Philipp Werner, die anderen Personen kann ich mit Bestimmtheit nicht mehr namentlich nennen. Nachdem draussen der Auflauf sehr gross wurde, habe ich mich entfernt. Bei meinem Weggang brannte die Synagoge im Innern in hellen Flammen.

Wer die Brandlegung getätigt hat, entzieht sich meiner Kenntnis. Darüber kann ich auch vermutungsweise keine näheren Angaben machen. Dies ist die reine Wahrheit, weitere Angaben kann ich nicht machen.

Wilhelm Görich wurde später vom Landgericht Darmstadt wegen Landfriedensbruches zu 9 Monaten Gefängnis verurteilt.


     
  Die Synagoge in der Dieburger Straße  
     
Die Synagoge in der Dieburger Straße


10.11.21 09:30 breiter Kristof [0 Kommentare]


Ornithologische Studien



     
  Hahn  
     
Hahn

     
  Huhn  
     
Huhn

[Serie]

05.11.21 15:31 breiter Kristof [2 Kommentare]


Forschung braucht Platz



     
   
     


16.10.21 10:12 breiter Kristof [1 Kommentar]



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06.12.2021, 06:04:20